HAPPY ist ein liebevoller und schonungsloser, heiterer und sehr persönlicher Vater-Tochter-Film, die Suche nach dem späten Glück und die Frage, was eigentlich Liebe ist, wenn man über 60 ist und Angst hat, alleine alt zu werden.

 

Synopsis


Es ist wohl der Horror jeder Tochter: Eine Postkarte aus Thailand, auf der steht: „Meine Liebe, mir geht es gut hier, ich esse Pat Thai und trinke Chang Bier. Und ich habe eine Frau kennengelernt, die so alt ist wie du. Liebe Grüße, Papa.“

Seit ein paar Jahren hat sich Carolins Vater Dieter sehr verändert. Nach der Trennung von seiner Frau, Carolins Mutter, tauschte er Wanderschuhe gegen Flip-Flops und fährt seitdem jedes Jahr für ein paar Wochen nach Thailand, mal alleine, mal mit Freunden – alle über 60 und geschieden. Der Vater sagt, er habe dort die beste Zeit seines Lebens. Die Tochter denkt: Oh Gott, ist mein Vater jetzt Sextourist?

Ist Dieter nun einer der Männer, die mit einer jungen, schönen Thailänderin im Arm durch die Straßen von Bangkok ziehen? Was will er dort? Ist das jetzt die Suche nach dem Glück oder das Wettrennen gegen die Zeit, die noch bleibt? Der eigene Vater: kein Held, der Vater: ein unmoralischer Täter mit Torschlusspanik?

Als es ernst wird, und der Vater seine Geliebte heiraten will, reist Carolin in ihre Heimat, um den Eigenbrötler zu verstehen, der ihr Vater ist, und der ihr eigentlich immer schon peinlich war. Wie die Regisseurin sagt: „Zu laut. Zu extrovertiert. Zu kauzig“.

Ihr Vater lebt als Hobby-Landwirt zurückgezogen in einem Eifeler Fachwerkhaus mit vielen Zimmern undniedrigen Decken ein einsames Leben, das traurig wirkt. In schonungslosen Duellen nähern sich Vater und Tochter einander an: Wonach sehnt er sich? Wovor hat er Angst? Was will er von Tukta, der Thailänderin, und was zur Hölle will sie von ihm?

Und – fast am Wichtigsten für Carolin: Wird der Vater Tukta tatsächlich heiraten? Ist das richtig? Darf er das?

Gemeinsam reisen Vater und Tochter nach Thailand, wo die Regisseurin sich unversehens als Mitglied einer neuen Familie wiederfindet, während Dieter mit einem vollkommen anderen Konzept von Liebe konfrontiert wird. Und so langsam begreift Carolin, dass es auf ihre vielen empörten Fragen keine eindeutigen Antworten gibt.


Festivals


DOK Leipzig (Weltpremiere), 2016
Duisburger Filmwoche 2016 (gewonnen: Publikumspreis der Rheinischen Post)
Kasseler Dokfest 2016
Docpoint Helsinki 2017
Berlin & Beyond Filmfestival San Francisco 2017
CineDoc Tiflis 2017
International Documentary Film Festival DOKer Moskau 2017

Director's Note

Mein Vater war immer schon anders. Er war immer laut. Er war immer launisch. Ein Kauz, der in Feinrippunterhemd Federvieh über seinen Hof jagt und beim Spülen zu LaBrassBanda tanzt. Und obwohl mein Vater und ich 19 Jahre zusammen gelebt haben, kennen wir uns eigentlich gar nicht. Wenn mich jemand fragt, was wir gemeinsam haben, mein Vater und ich, fallen mir nur die Dinge ein, die ich an mir selbst nicht mag: Ungeduld, Egoismus, Impulsivität. Außerdem putzen wir beide uns immer viel zu laut die Nase.

Haben Sie Toni Erdmann gesehen? Mein Vater war immer schon ein bisschen wie Toni, nur ohne die guten Absichten.

Und genau dieser Vater schickte mir dann vor ein paar Jahren diese Postkarte aus Thailand, auf der stand: Ich habe eine Frau kennengelernt, die so alt ist wie du.

Damals: Schockstarre. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Eine 30jährige Thaifrau? Mit über 60?

Was nun? Nun, Ich hätte sie zerreißen können, diese Postkarte, sie nach ganz unten in eine Schublade stecken, in die ich nie hinein gucke, unter Quittungen, ein altes Foto und einen Liebesbrief, den ich auch nie wieder lesen wollte.

Oder: Einen Film über etwas mir so peinliches machen, dass ich meinen engsten Freunden anfangs noch nicht einmal davon erzählte. Eine Reise antreten zu meinem Vater, von dem ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen hatte, er war ständig und sehr damit beschäftigt, darüber nachzudenken, wie sein Leben so hatte werden können, wie es nun war: einsam.

Und schon nach einigen Drehtagen musste ich erstaunt feststellen: Mein Vater ist doch gar nicht so peinlich. Beziehungsweise machte ihn genau das, was mir an ihm stets so unangenehm war, zu einem so wertvollen Protagonisten: Seine Offenheit, seine Authentizität, seine Originalität.

Auseinandersetzung, aneinander rasseln, sich nicht verstehen, sich annähern, sich aufeinander einlassen, wieder zueinander finden, als Vater und Tochter, als Mensch und Mensch, Lösen von alten Rollen – das ist, was in HAPPY passiert, im Film und in der Realität. Es ist ein sehr persönlicher Vater-Tochter-Film geworden, ein authentischer, einer übers Älterwerden, über das Glücklich sein, über die Graubereiche im Leben. Über kulturelle Unterschiede. Über Tukta.

happy carolin genreith

happy portrait

Tukta ist ein Jahr älter als ich und wirkt vollkommen erwachsen. Sie hat einen 12-jährigen Sohn, Tui, der sich an seinen Vater nicht erinnert. Tukta übernimmt Verantwortung, für ihr Kind, für die Kinder ihrer Schwester, für ihre Eltern, für ihre Oma mit dem Dinosauriergesicht. In ihrem Heimatdorf im Nordosten von Thailand passiert alles gemeinsam: Kochen, Essen, Waschen, Reis ernten, das Schlafen auf einem Matratzenlager. Die Familie ist hier die Lebensversicherung, sie ist das Sozialsystem.

Seit Tukta meinen Vater kennengelernt hat, ist sie öfter zu Hause, muss nicht mehr in Bangkok oder auf den Inseln im Süden in Fabriken oder Restaurants arbeiten. In ihrem Heimatdorf erntet sie Reis und Zuckerrohr, verscheucht Schlangen und pflückt mit den Kindern süße Beeren vom Baum im sonst so kargen Garten. Sie sagt, sie ist glücklich zu Hause. Mein Vater schickt Geld und wenn er da ist, fahren er und Tukta auf einem geliehenen Motorroller fast jeden Tag auf den Markt, kaufen Gemüse, Obst und Fleisch.

Das Leben hier ist langsam und leise, es ist ein bisschen langweilig, aber das Erstaunlichste ist: Mein Vater, der zu Hause immerzu arbeitet, sitzt hier in der schwülen Fremde auf einem Plastikstuhl im Schatten und macht etwas, von dem ich dachte, dass er dazu nicht fähig ist: Er macht nichts. Mein Vater scheint hier etwas zu finden, was er in Deutschland lange verloren hat: Ruhe. Eine Familie. Eine Frau, die er schön findet und die über seine Scherze lacht.

Und Tukta findet: Etwas mehr Sicherheit für ihre Familie und sich selbst und die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen. Und einen Mann, der ihre Sprache für sie lernt, der sich um sie bemüht. Natürlich tauschen die beiden etwas: Zuwendung gegen Versorgung.

Liebt er sie? Liebt sie ihn? Was ist Liebe, wenn man sich auf kein Sozialsystem, sondern nur auf die Familie verlassen kann? Und damit: Wenn man sich Liebe, so wie wir sie verstehen, eigentlich nicht leisten kann?

Was ist Liebe, wenn man über 60 ist und lange alleine war?

Es gibt so vieles, was mich stört an meinem Vater. Und was ich darüber denken soll, dass er seine thailändische Freundin Tukta geheiratet hat, die ihn zwar wertschätzt, aber für die die Versorgung ihrer Familie im Vordergrund steht, weiß ich immer noch nicht.


Aber mein Vater, der mir immer peinlich war, von dem ich immer dachte, er denkt als erstes nur an sich (tut er wahrscheinlich auch), schmiert seiner Liebsten Honigbrote und kauft ihr Eis, er guckt sie verliebt an, sie lachen viel. Ist das peinlich? Oder schön? Oder beides?

Ich finde wenige Antworten in HAPPY, aber ich finde wieder Nähe zu und Verständnis mit meinem Vater. Und Gemeinsamkeiten: Wir fahren beide gerne schnell. Uns läuft die Nase wie verrückt, wenn wir etwas Scharfes essen. Wir spielen beide unsagbar schlecht Billard. Egoismus habe ich von meinem Vater, das Komplizierte, das Launische. Aber auch Charme, Witz, und nicht zuletzt meine Liebe zum Film.

Carolins Feature zum Film auf DRadio Wissen

happy strand

Cast


Dieter Genreith, Tukta Supaporn Pimsoda-Genreith, Helmut Rieländer, Helmut Hersch, Pichit Muangrom, Phra Samut Theesuka, Tui Wiwat Suwannakingka, Nutian Pimsoda, Siton Pimsoda, Ploi Kunlasatree Daenkanan, Kittipat Pimsoda, It Uraiwan Pimsoda, O Sribung-on Pimsoda

Buch und Regie Carolin Genreith
KameraPhilipp Baben der Erde
Montage Stefanie Kosik-Wartenberg
Ton Michael Geck
Musik Fabian Saul
Rafael Triebel

Filmtonpostproduktion Torus GmbH Köln
Studioleitung Stephan Colli
Mischung Falk Möller
Geräuschemacher Wilmont Schulze
Foleyaufnahmen „Ripon“ Muhammad Abdus Satter
Sounddesign René Peltsch
Technische Betreuung Markus Emonds
Postproduktion Bild Seven Years Film Berlin
Gabriele Degener
Hans Rombach
Cinepostproduction Berlin
Farbkult Köln

Farbkorrektur Nadir Mansouri
Schnittassistenz Sabrina Knierim
Raul Zropf
Trailer Manuel Skroblin
Grafik Thomas Schmidl
Equipment Ludwig Kameraverleih
Monika Allegretti

Stringer Thailand Daniel Meiner
Transkripte Caroline Prinz-Holtorf
Übersetzungen und Untertitel Phanneeya Horsap
Daniel Meiner
Jarinna Komsthöft
Till Rudolph

Produktionspraktikantin Caroline Prinz-Holtorf
Rechtsberatung Anne Ohlen
Christian Füllgraf

Versicherungen Frank Hübner Consulting
Steuerberatung Herbert Nather
Filmgeschäftsführung Bernhard Rand
Produktionsleitung Florian-Malte Fimpel
Redaktion Jutta Krug / WDR
Produzenten Erik Winker
Martin Roelly

VerleihZorro Film


Eine Produktion von Corso Film in Co-Produktion dem WDR,
gefördert von der Filmstiftung NRW, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der FFA und dem DFFF

Carolin Genreith

Carolin Genreith wurde 1984 in Aachen geboren und wuchs mehr oder weniger behütet in der Nordeifel auf. Nachdem sie ein Jahr London verbracht hatte, studierte sie TV-Producing und Journalismus in Berlin (was ihr nicht gefiel), arbeitete in einem Programmkino und für verschiedene Filmemacher und Produktionsfirmen als Regieassistentin und Co-Autorin (was ihr sehr gefiel).

Ihr Debüt-Film Die mit dem Bauch tanzen wurde auf der Berlinale 2013 uraufgeführt und gewann auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen den Publikumspreis. Es folgte eine erfolgreiche Kinoauswertung mit über 50.000 Zuschauern und die Ausstrahlung in der ARD. Carolin gewann 2014 mit dem Konzept für ihren Film Das Golddorf den ARD Doku Pitch. Das Golddorf feierte 2015 auf dem Dokfest München Premiere.

Happy ist ihr dritter langer Dokumentarfilm.

Carolin Genreith lebt und arbeitet als freie Autorin und Regisseurin in Hamburg.

carolin genreith portrait

happy filmografie

ME, MYSELF & I Kino-Dokumentarfilm (90 Minuten) Produktion: Corso Film (In Entwicklung, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW)

RICCI SUPERSTAR (AT) Dokumentarfilm (In Produktion) Produktion: Corso Film im Auftrag von 3Sat

BILDERBUCH (AT) Spielfilm (In Entwicklung)

HAPPY Kino-Dokumentarfilm (90 Minuten) – 2016 Produktion: Corso Film in Koop. mit dem WDR, gefördert von: Filmstiftung NRW, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, DFFF, FFA

RAMI BRAUCHT GELD Doku-Reihe – In Entwicklung
Produktion: Corso Film, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW

DAS GOLDDORF ARD-Dokumentarfilm (74 Minuten) – 2015
Produktion: Nordend Film

HERR EPPERT SUCHT DIE CHEFIN Reportage (30 Minuten) – 2013 Produktion: Nordend Film

DIE MIT DEM BAUCH TANZEN. Kino-Dokumentarfilm (80 Minuten) – 2013 Produktion: Hupe Film in Koop. mit dem WDR, gefördert von: Filmstiftung NRW


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Webdesign & Programmierung: Ingo Stahl